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Fördergemeinschaft organisch-biologischer Land- und Gartenbau Baden-Württemberg e.V. (FÖG e.V)
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Esslingen-Nürtingen
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Kennwort
"Gentechnik-freie Landwirtschaft"

 

Positionen zur Agro-Gentechnik
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1. Risiken der Agro-Gentechnik für Menschen und Ökosysteme nicht absehbar

Die Folgen der Ausbringung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen in kleinräumige Agrarökosysteme sind nicht ausreichend erforscht. Die bisher durchgeführten Untersuchungen (Erprobungsanbau mit Bt-Mais u.a.) reichen nicht aus, um die sog. Koexistenz (Nebeneinander von Landwirtschaftsformen mit und ohne Gentechnik), geschweige denn die komplexen Wechselwirkungen und Langzeitfolgen für Menschen und Ökosysteme zu beurteilen. Im Gegenteil geben die bisher gemachten Erfahrungen mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen Anlass zur Besorgnis. Transgene Pflanzen kreuzen sich mit verwandten Wild- und Kulturformen. Bienen und Wind tragen Pollen über die Feldgrenzen hinweg – bei Raps über 20 km weit. Einmal freigesetzt, können diese Pflanzen nicht mehr zurückgeholt werden. Erhebungen aus den USA und anderen Ländern zeigen, dass die propagierten Vorteile der herbizid- und insektenresistenten Sorten, wie bspw. die Einsparung von Pestiziden, nur von kurzer Dauer sind. Bereits nach wenigen Anbauperioden haben sich resistente Unkraut- oder Insektenmutanten gebildet, wodurch der Pestizideinsatz erheblich ansteigt. Auch der Durchwuchs von resistenten Kulturpflanzen führt zu Problemen. Zudem wirkt sich der Anbau von herbizid- und insektenresistenten Pflanzen negativ auf die Artenvielfalt von Flora und Fauna aus.
In der Entwicklung sind transgene Pflanzen mit spezifischen Inhaltsstoffen für Ernährung, Arzneimittel undIndustrie. Herkömmliche Züchtungsmethoden und Pflanzen liefern aber schon heute ein vielfältiges Angebot an industriellen Rohstoffen und die Möglichkeit sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Der Einsatz von Gentechnik in „nachwachsenden Rohstoffen“ birgt für die Ökosysteme die gleichen Risiken wie die Produktion gentechnisch veränderter Rohstoffe für Nahrungs- und Futtermittel. Der Einsatz der Agro-Gentechnik mit ihren unkalkulierbaren Risiken ist auch hier fehl am Platz. Darüber hinaus sind neue Züchtungsmethoden wie z.B. die Zinkfingernuklease (ZFN), die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese (ODM) und CRISPR-Cas eindeutig als Gentechnik zu klassifizieren, da sie ins Genom der Pflanzen eingreifen.

2. Die Landwirtschaft braucht einen wirksamen Schutz


Konventionelle Landwirte und Öko-Landwirte, die selbst keine gentechnisch veränderten Pflanzen einsetzen, bewirtschaften ihr
e Felder nicht unter einer Glasglocke, sondern sind den Einflüssen der Umwelt ausgesetzt. In der strukturellen Vielfalt der baden-württembergischen Landwirtschaft ist Koexistenz nicht möglich, sondern vielmehr eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben im ländlichen Raum.
Deshalb sind europaweit strenge Anbauregelungen zum Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen erforderlich. Ansonsten ist zu befürchten, dass sich gentechnisch veränderte Bausteine in wenigen Jahren in allen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen - vom Saatgut bis zu den Erzeugnissen - und vielen Wildpflanzen wiederfinden. Insbesondere Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, bedürfen eines effizienten Schutzes gegen die Kontamination durch gentechnisch veränderte Pflanzen. Das neue Gentechnik-Gesetz bietet einen unzureichenden Rahmen zur Sicherung der Gentechnik-freien Landwirtschaft.


3. Gentechnik-Firmen müssen für die Folgen haften

Wer gentechnisch veränderte Pflanzen aussät, muß die Garantie dafür übernehmen, dass es nicht zur Kontamination von unbeteiligten Böden, Pflanzen und Tieren kommt. Angesichts vieler möglicher Kontaminationspfade (Saatgut, Produktion, Verarbeitung, Handel) muß das Verursacherprinzip auf allen Ebenen verankert werden. Es kann nicht sein, dass die notwendigen Kontroll- und Sicherheitskosten sowie mögliche Folgeschäden dieser Risikotechnologie gerade die Landwirte und Lebensmittelhersteller belasten, die ohne Gentechnik wirtschaften. Vielmehr müssen die Saatzuchtunternehmen die Verantwortung für ihre Produkte und damit auch die Haftung übernehmen.


4. Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel

Europaweit spricht sich die große Mehrheit der Verbraucher gegen den Einsatz der Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion aus. Sie möchten selbst entscheiden können, ob und wann Sie „Gentechnik“ essen und wann nicht. Der Gesetzgeber muß dem Rechnung tragen und die Existenz einer Gentechnik-freien Landwirtschaft langfristig sichern. Dazu gehört auch, dass die Reinheit des Saatgutes gewährleistet wird. Gentechnik-freies Saatgut ist Voraussetzung für eine Gentechnik-freie Landwirtschaft. Die derzeit geplante Saatgut-Richtlinie der EU, die gentechnische Verunreinigungen zwischen 0,3% und 0,7% ohne Kennzeichnung vorsieht, schließt Gentechnik-freie Lebensmittel und eine Landwirtschaft ohne gentechnisch veränderte Pflanzen von vorneherein aus. Die garantierte Gentechnik-Freiheit von Produkten und die Wahlfreiheit der Verbraucher wäre somit unmöglich. Deshalb ist das politische Gebot der Stunde ein Reinheitsgebot für Saatgut.
Die EU Kennzeichnungsverordnung über gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel soll den Herstellungsprozess transparent machen und Orientierungshilfen bei der Kaufentscheidung geben. Doch leider weist die neue Kennzeichnungs-Vorschrift Lücken auf. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, sind von der Kennzeichnung ausgenommen. Diese Lücke muss vom Gesetzgeber so schnell wie möglich geschlossen werden, damit der Gentechnik-Einsatz auch bei Milch, Fleisch und Eiern deutlich erkennbar wird.
Aber auch die Verbraucher sind in der Pflicht. Mit ihrem Einkaufsverhalten entscheiden sie tagtäglich, ob die Bauern und Bäuerinnen weiterhin Gentechnik-frei produzieren können.


5. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg braucht keine Agro-Gentechnik

Eine regionale Landwirtschaft bedient die Wünsche der Verbraucher nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sinnvoll und nachhaltig. Insbesondere der ökologische Landbau hat sich in seinen Richtlinien dazu verpflichtet, keine Gentechnik im Pflanzenbau, der Tierhaltung und der Verarbeitung von Lebensmitteln einzusetzen. Aber auch landeseigene konventionelle Markenprogramme, wie beispielsweise das Qualitätszeichen Baden-Württemberg (QZBW) verbieten den Einsatz von Gentechnik auf dem Acker und bei der Fütterung einiger Tierarten.
Im standortgerechten Landbau liegen – vor allem in Verbindung mit regionalen Vermarktungsstrukturen – große Potenziale für die heimische, mittelständische Wirtschaft. Die Agro-Gentechnik dient dagegen vor allem den Interessen von wenigen, weltweit agierenden Konzernen und einer industriellen Landwirtschaft.
Die baden-württembergische Landesregierung trägt eine große Verantwortung für die baden-württembergische Landwirtschaft und die Produktion Gentechnik-freier Lebensmittel, die von einer Mehrheit der Verbraucher gewünscht wird. Die Absatzpotenziale der heimischen Landwirtschaft, die fast ausschließlich in Gentechnik-freien Produkten liegen, darf die Landesregierung nicht auf’s Spiel setzen.


6. Gentechnik ist kein Mittel zur Bekämpfung des Welthungers

Die Ursachen für die weltweite Mangel- und Fehlernährung sind komplex und liegen vor allem in ungerechten Macht- und Handelsstrukturen. Empirische Studien zeigen, dass zur Ernährungssicherung eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig sind, die auf einer nachhaltigen Landwirtschaft mit standortangepassten Anbauverfahren und vielfältigen Kulturen basieren. Der eindimensionale Ansatz der Agro-Gentechnik greift vielfach zu kurz. Darüber hinaus sind Produktionssysteme mit patentgeschütztem, transgenem Saatgut kostenintensiv und schaffen für Bauern und Bäuerinnen zusätzliche Abhängigkeits- und Verschuldungsrisiken. Insbesondere die Vergabe geistiger Eigentumsrechte auf gentechnologische Innovationen stärken die Monopolstellung der Gentechnik-Unternehmen und schränken die Verfügungsrechte der Bauern und Bäuerinnen ein. Nachbau und eigenständige Weiterzucht ist bei gentechnisch verändertem Saatgut nicht möglich.

AbL Baden-Württemberg ++ Aktionsbündnis Gentechnik-freie Region Oberrhein ++ Aktionsbündnis Gentechnik-freie Region Mittlerer Oberrhein ++ Aktionsbündnis Gentechnikfreie Region Ostalb ++ Bioland Baden-Württemberg ++ Bündnis Gentechnikfreie Anbauregion Bodensee-Allgäu-Oberschwaben ++ Bündnis für eine gentechnikfreie Region (um) Ulm ++ Bündnis Gentechnikfreie Region Main-Tauber e.V.++ Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe ++ BürGenLand ++ BUND Baden-Württemberg ++ Demeter Baden-Württemberg ++ Evangelisches Bauernwerk in Württemberg ++ Evangelische Jugend auf dem Lande in Württemberg (ejl) ++ Gentechnikfreie Landkreise Ludwigsburg-Rems-Murr e.V.++ Gentechnikfreies Europa ++ LandFrauenverband Südbaden ++ Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) ++ LandFrauenverband Württemberg-Baden ++ NABU Baden-Württemberg ++ Naturfreunde Württemberg ++ Naturland Süd-West ++ Nürtinger Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittel ++ Verband Katholisches Landvolk e.V. ++

Kontakt: Koordinationsstelle Aktionsbündnis Gentechnik-freie Landwirtschaft in Baden-Württemberg c/o Bioland Landesverband Baden-Württemberg, Schelztorstr. 49, 73728 Esslingen, Tel.: 0711/550939-47, e-mail: info@gentechnik-freie-landwirtschaft.de,
www.gentechnik-freie-landwirtschaft.de